Die belächelte Dartmacke

Ich möchte noch mal darauf hinweisen das meine Texte gerne verwendet oder kopiert werden dürfen, aber dann fairer Weise bitte auch meine Internetseite www.Ligadart.de oder mein Name erwähnt werden sollten.

 Jetzt nehme ich mir endlich Zeit und schreibe, wie versprochen, meine Erfahrungen und persönlichen Einschätzungen zum Thema Darteritis / Dartitis der sogenannten Dartkrankheit nieder. Ich hoffe damit meinen kleinen Beitrag zuleisten, dieses oft belächelte Problem etwas bekannter werden zu lassen und vor allem einigen Betroffenen von euch helfen zu können. Nachdem 1998 das erste Mannschaftsmitglied an Dartitis erkrankte, begann ich mich mit dieser Krankheit auseinander zusetzen. Auf vielen Turnieren und einigen Ligaspielen, lernte ich weitere Betroffene kennen und merkte schnell das es ein ernstes Problem sein musste. Es wurden viele Gespräche geführt und viele Erfahrungen ausgetauscht. Im Jahre 2000 erkrankte ein weiteres Mannschaftsmitglied an Dartitis und wir machten uns Gedanken, und begannen das Problem bei der Wurzel zu packen. Wir machten kleinere Fortschritte und konnten auch schon ziemlich gut mit dieser Krankheit leben und vor allem weiterspielen. Als dann mein Bruder 2001, nach seinem Erfolg auf den Berlin Open, auch noch an Dartitis erkrankte, war ich mit meinen Erfahrungen soweit, das wir ihn heute zu fast 100% kuriert haben. Ich wurde oft von Betroffenen als Ansprechpartner in Anspruch genommen und beschäftige mich nun schon sehr lange mit diesem Problem. Es wurden viele Spiele verloren, viele dumme Kommentare musste man als Mannschaft ertragen: „Warum lässt der den Pfeil nicht einfach los ?“ oder: „Der gehört doch in die C-Liga, warum stellt Ihr den auf  ?„ .

Natürlich sind auch viele Pfeile vor Frust zu Bruch gegangen und über das persönliche Wohlbefinden der betroffenen Spieler reden wir am besten gar nicht.In meiner ersten kleinen Geschichte „Der Weg zu Ruhm und Reichtum“ hatte ich ja schon kurz erwähnt wie Dartitis entsteht und wie man sie erkennt. Diesmal gehe ich etwas genauer darauf ein. Einen Dartspieler der Dartitis / Darteritis hat, erkennt man daran, das dieser an der Linie steht den Pfeil hält, zielt, wirft. Jedoch nach dem Wurf den Pfeil immer noch in der Hand hält und leise Flüche ausstößt. Das klingt jetzt zwar ziemlich lustig, doch für die Betroffenen ist es eine Katastrophe, da es dagegen kein wirklich gutes Mittel gibt. Auch bekommen die Betroffenen keinerlei Hilfe, weder im Internet und schon gar nicht bei Ihrem Hausarzt. Man kann diesem Problem nur alleine und mit sehr viel Geduld und Disziplin zu Leibe rücken. Dartitis kann jeden der Dart etwas intensiver und mit einer gewissen  Ehrgeizigkeit spielt treffen, niemand ist davor sicher. Es tritt allerdings in den meisten Fällen erst auf, wenn sich ein gewisses Level bei dem Spieler eingestellt hat. Aber auch das ist nicht bewiesen und nur meine persönliche Meinung. Dartitis äußert sich immer mit den selben Symptomen und verläuft bei allen Betroffenen ähnlich. Nach einem gewissen Glücksgefühl, zum Beispiel einer guten Saison oder einer guten Platzierung in einem Turnier, ist die Erwartung ziemlich hoch und das Selbstvertrauen natürlich auch. Meistens spielt der Spieler über Jahre sehr konstant einen guten Dart, bis plötzlich (meist privat oder im Beruf) etwas unvorhersehbares eintritt, was die Psyche des Spielers belastet. Bei Eric Bristow (wohl der berühmteste Dartspieler der von Dartitis betroffen war) traten die Symptome so plötzlich auf, das er während eines Turniers, nämlich den Swedish Open 1987, völlig überraschend den Pfeil nicht mehr loslassen konnte. Er schaffte es nach 3 Jahren wieder auf Platz 1 in der Weltrangliste. Wobei er nie wieder so gut wurde wie früher.

Man steht also wieder am Board und wirft seine Pfeile, schnell wird sich eingeredet wie schlecht man heute wirft und übt so einen gewissen Druck auf sich und seine persönliche Leistung aus. Bei allen Betroffenen die ich kenne, traten dann immer persönliche Probleme auf, über die einige aber aus persönlichen Gründen am Anfang nicht reden wollten oder diese beim Dart abzuschalten versuchten. Was übrigens ziemlich gefährlich und eben in dieser Sportart völlig unangebracht ist. Rennt ein Jogger bei Problemen 2,3 oder 4 Runden mehr um den Block, ist das bei einer Sportart die mit dem Kopf entschieden wird völlig falsch .Wie ich bei verschiedenen Spielern miterleben konnte oder gelesen habe, gibt es keine eindeutigen Auslöser. Bei einem kommt das Problem schon nach einem Jahr, ein anderer spielt mehr als 10 Jahre einen klasse Darts und lässt dann plötzlich den Pfeil nicht mehr los. Es gibt allerdings auch andere Theorien. John Lowe „Old Stoneface“ sagte mal in einem Interview auf die Frage ob er jemals Probleme mit Dartitis hatte:

Nein, ich hatte fast alles, aber keine Dartitis. Ich denke es liegt daran dass ich einen sehr rationalen Wurfstil habe. Ich hole aus und werfe in einer Bewegung. Wenn du dir die Spieler anschaust die Dartitis haben, dann haben die meisten mehrere Bewegungen bevor sie den Dart loslassen (meist zwei bis drei mal nach vorne). Eric Bristow ändert sogar während des Wurfes den Griff. Das ist aber nur meine Meinung zum Thema Dartitis, aber ich glaube wirklich das es daran liegt.“

Trotzdem sind sich alle einig das der Hauptauslöser vom Kopf her kommt. Vielleicht gibt es wirklich einen komplizierteren Wurfstil mit dem ein Spieler anfälliger für Dartitis ist als mit einem anderen weniger komplizierteren. Dartitis taucht nicht völlig unangekündigt auf, es gibt kleine Vorboten die diese Krankheit ankündigen. Ich nehme mir einfach mal das Recht heraus und rede hier von einer Krankheit, ich hoffe, es fühlt sich dadurch keiner verletzt. Es fällt den Betroffenen zum Anfang einfach nur etwas schwerer den Pfeil auf ein bestimmtes Segment zu werfen. Oder sie werfen scheinbar ganz normal und der Pfeil geht ganz unkontrolliert ziemlich weit nach unten. Beispielsweise ein auf die 3fach 20 gezielter Wurf geht in die doppelt 3 oder ähnliches. Bei meinem Bruder konnte ich beobachten, das sich bei ihm die Dartitis durch hüpfen und anschließendem Übertreten der Linie ankündigt. Das Phänomen beim Dart ist es, das nicht der Wurfstil oder das Stehen an der Linie entscheidend sind, sondern einzig und alleine der Kopf über Triumph oder Niederlage entscheidet. Er alleine bestimmt, wann die Hand den Pfeil loslässt und somit wo der Pfeil auf dem Board einschlägt. Nun steht man also am Board und hat einen dieser seltsamen Tage, den Erfolg der letzten Zeit im Hinterkopf und wirft auf diese komische Scheibe an der Wand. Und irgendwie ist man von sich anderes gewöhnt und trifft einfach nicht das was man treffen möchte. Kommen jetzt noch private oder berufliche Probleme hinzu, ist der perfekte Nährboden für Dartitis gegeben. Meistens vergisst man auch bei Problemen im Umfeld das Darten und stellt sich erst nach einer gewissen Pause wieder an das Board. Dann ist es ja auch völlig normal, das es einer gewissen Trainingsphase bedarf, bis die alte Form wieder erreicht ist. Nun muss sich der Spieler nur noch dermaßen hineinsteigern, das er völlig verkrampft und mit Gewalt den gewohnten Erfolg herbeizuzwingen versucht. Irgendwie startet dann automatisch ein Teufelskreis der bei allen Betroffenen, die ich kenne, gleich aussieht. Man redet sich ein, schlecht zu sein, versucht mit Gewalt aus dem angeblichen Formtief  herauszukommen und verkrampft immer und immer mehr. In diesem Moment muss im Kopf  etwas seltsames ablaufen. Durch das starke Konzentrieren schaltet, meiner Vermutung nach, das Gehirn in den Lernmodus, und vergisst ganz einfach den exakten vorher millionenfach praktizierten Bewegungsablauf für einen ordentlichen perfekten Wurf. Es nimmt wahrscheinlich Teile des verkrampften Wurfes an und verbindet diese miteinander. Das führt dann zu diesen komischen Würfen oder im schlimmsten Fall weiß das Gehirn gar nicht weiter und stoppt die Bewegung einfach. Hier greift dann auch die Theorie von John Lowe das Spieler mit komplizierten Wurfstil schneller dazu neigen, an Dartitis zu erkranken.  

Es gibt mehrere Methoden, diesem Phänomen etwas entgegen zu werfen. Man sollte sich allerdings im klaren sein, das wenn man einmal davon betroffen ist / war immer wieder gefährdet ist, erneut an Dartitis zu erkranken. Um wirklich effektiv etwas dagegen unternehmen zu können, sollte man sich über einiges im klaren sein. Es geht auf keinen Fall von heute auf morgen, etwas Geduld und auch die nötige Ruhe (pausieren des Ligabetriebs) sind absolute Pflicht. Oberstes Gebot ist es den Kopf frei zubekommen. Dazu sollten auch sämtliche Probleme im privaten Bereich aus der Welt geschafft werden. Ist dieses nicht möglich, sollte mit dem Darten unbedingt pausiert werden. Bis zumindest eine Besserung der „inneren Ruhe“ eingekehrt ist. Mögliche Auslöser sind Beispielsweise Geldsorgen, Trennung, Existenzängste oder ähnliches. Sind alle privaten Probleme erkannt und aus der Welt geschafft, kann mit dem Training begonnen werden. Meine Erfahrungen zeigen, das die ersten Versuche am besten gelingen, wenn man absolut ungestört und möglichst alleine an einer Dartscheibe steht. Wir benutzen, wenn möglich eine Scheibe, da wir diese nach belieben umhängen können. Wichtig ist es das man den Ernst des Spiels und vor allem den persönlichen Druck aus dem Spiel herausbekommt. Eric Bristow hat durch mehrere kleine Tricks die Oberhand über Dartitis gewonnen. Er spielte völlig zurückgezogen in der elterlichen Garage alleine auf eine Steeldartscheibe, nicht einmal seine besten Freunde durften ihn stören. Was er alles getan hat um die Krankheit zu überwinden, ist nicht bekannt. Nur einen Trick hat er verraten. Er stellte seine Steeldartscheibe auf den Fußboden, um nicht in irgendeinen Leistungsdruck zu verfallen. Und warf einfach seine Pfeile ohne großen Druck auf die Scheibe. Nach und nach hängte er sie etwas höher, bis er irgendwann wieder auf der normalen Höhe angekommen war. Aber auch da legte er noch immer keinen großen Wert auf das Treffen hoher Score, sondern achtete darauf das er die Sache nicht zu ernst nahm. Aus Familienkreisen (mein Bruder war auch betroffen – Berliner Jugend Meister 2001) weiß ich, das es damit alleine noch nicht getan ist. Ratsam ist es, anschließend langsam ohne großen Druck in der Öffentlichkeit zu spielen, zum Beispiel in einer Kneipe in der das Niveau nicht sehr hoch ist. Trotzdem sollte auch hier nicht das Gewinnen im Vordergrund stehen, sondern einfach nur das Genießen einen flüssigen Pfeil werfen zu können. Auch das Trinken von 1 oder 2 Bierchen kann Wunder vollbringen, sollte aber nicht zur Gewohnheit werden. Falls man nicht der Kneipentyp ist, kann man auch mit einem guten Freund zusammen spielen und den Schwerpunkt des Abends auf ein gutes Gespräch legen, um die Atmosphäre locker zu halten. Es gibt noch mehrere Methoden die alle auf dem selben Aspekt basieren, dem Gehirn einen anderen Weg zu zeigen. Bekannt ist auch die Streichholznummer, die in meinen Augen eigentlich nur lustig ist. Da das keine Lösung sein kann, den Dartautomaten mit Streichhölzer zu beschmeißen. Denn die meisten Wirte zeigen dafür kein Verständnis und auch brandschutztechnisch ist das nicht zu verantworten. Auch das Umstellen des Wurfarms vom rechten auf den linken Arm ist keine wirkliche Lösung. Ein Mannschaftsmitglied von mir dominierte nach einem Jahr jedes Faschingsturnier (wird mit links geworfen). Aber mit rechts ging selbst nach dieser Zeit nichts. Einen ähnlichen Effekt wie das auf den Boden stellen der Dartscheibe, hat das Verändern des Abstandes zum Board, was eine Alternative darstellt, falls nur ein Automat zur Verfügung steht. Auch ein Abhängen der Scheibe durch eine Zeitung verspricht diesen Effekt und könnte Erfolg haben. Aber vergesst nie, es sind nicht die Methoden die euch heilen, sondern eure persönliche Einstellung zu diesem Problem. Euer Kopf muss verstanden haben, das es an ihm liegt. Seid euch im klaren, das Ihr das Dartspielen in einer gewissen Weise neu erlernen müsst. Vielleicht ist es wirklich ratsam den Wurfstil etwas genauer unter die Lupe zunehmen, und diesen im schlimmsten Fall in einen einfacheren umzustellen. Jedenfalls solltet ihr eine gesunde Mischung aus Selbstvertrauen und Übermut haben, um nicht über eure Grenzen zu schießen und somit anfällig für Dartitis zu werden. Ich habe euch einen kleinen Trainingsplan zusammen gestellt mit dem ich gute Erfahrungen sammeln konnte.

Habt Geduld und nehmt euch Zeit, lieber lasst noch eine Saison ausfallen und kommt dann erst ins Ligaleben zurück. Ein Rückschlag ist schnell wieder erreicht und dann immer schwerer zu kurieren. Ich wünsche euch viel Glück, hoffentlich konnte ich euch etwas helfen.

 

Allzeit Good Darts

Karsten Jaffke

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